Chronik von Briest

erstellt durch den Ortschronisten Wolfgang Kappe

1000 – 800 v.Chr.

1936 wurde auf dem Gebiet des Fliegerhorstes Briest ein größeres Gräberfeld aufgedeckt, werden mit 45 erhaltenen Gräbern aus der späteren Bronze- bis früheren Eisenzeit (1000 bis 800 v.Chr. ), deren Gefäße neben den germanischen auch illyrische (lausitzer) Einflüsse zeigen, freigelegt. Der Ausgrabungsleiter, Herr Studienrat P. Krause, Brandenburg, vermutet auch schon für dieses vorgeschichtliche Dorf die Ortslage an der Stelle der Militärbadeanstalt (Wusterfeldstücken), die auch für das Wendendorf Brisitz in Frage kommt. Neben jenen vorgeschichtlichen Gräbern wurde auch der Überrest eines slawischen Skelettgrabes gefunden.

928/929

Die Brisitzer gehörten zu dem slawischen Stamm der Heveller, nach denen der ganze das heutige Havelland umfassende Landstrich Heveldun hieß. Sie lebten in friedlichen Zeiten harmlos und genügsam dahin, hauptsächlich vom Fischfang und wohl auch aus der Jagd im nahen Walde ihre Nahrung gewinnend.

948

Sachsenkönig Heinrich. Bericht / Widukinds von Korvey : “Überraschend fiel Heinrich in das Land der Heveller ein, ermüdete sie durch zahlreiche Kämpfe, schlug endlich im härtesten Winter sein Lager auf dem Eise auf und nahm die Stadt Brennaburg durch Hunger, Schwert und Kälte.” 948 fasste die gehasste Religion der deutschen Eroberer festen Fuß im Heveldun durch Gründung des Bistums Brandenburg [948]. Bis zu ihrer endgültigen Niederlage haben die Heveller der großen Mehrheit des Volkes, wenn nicht immer äußerlich, so doch innerlich dem Christentum widerstanden, länger als alle anderen Wendenstämme, im alten Väterglauben wohl dadurch besonders bestärkt, daß sie so lange das hohe Heiligtum des Triglaw in ihrer Mitte hüten durften.

1294

Es wird durch eine Sage die Gründung unseres Briest mit dem Ende des jenseitigen Dudeschen Bryst, dessen Gedächtnis in dem Flurnamen Altes Dorf und der ältesten Bezeichnung Wüstenbriest für das jetzige Vorwerk Neuplaue fortlebt, in ursächlichen Zusammenhang gebracht. Die Einwohner dieses wüst gewordenen Dorfes sollen durch Kriegszerstörung oder in einer Pestzeit durch den Schwarzen Tod von ihren Heimstätten vertrieben sein und sich am anderen Havelufer niedergelassen haben. Dies wird aber durch den Urkundenbefund widerlegt, da unser Briest bereits 1294 erstmalig in einer Urkunde erscheint, während das Dudesche Bryst noch kurz vor 1370 urkundlich bezeugt ist. Derartige Sagen sind aber kaum völlig aus der Luft gegriffen. Es ist sehr wohl möglich, daß bei irgendeiner gemeinsamen Katastrophe, von der freilich nichts urkundlich überliefert ist, die am schwersten betroffenen Einwohner von Deutschbriest in unserem teilweise auch verödeten Briest Zuflucht gefunden haben.
Die Briester Fischer erhalten einen neuen Fischereinachbarn. Im Jahr 1294 bekunden Schöppenstuhl und Rat der Altstadt von Brandenburg den Verkauf von Fischereigerechtigkeiten an das Kloster Lehnin, und in dieser lateinischen Urkunde wird Briest zum ersten mal erwähnt. Die Aufzählung der zur Lehniner Zuständigkeit kommenden Gewässer schließt:”…ferner das Wasser unterhalb der Plauer Brücke havelabwärts bis zum Wasser des Dorfes Brisitz”.

1945/1946

Das letzte Kriegsgeschehen des Jahres 1945 hat auch unser Dorf stark in Mitleidenschaft gezogen. In den Apriltagen 1945 hatte das Dorf zwei schwere Bombenangriffe, die dem Briester Flugplatz galten, zu überstehen. Am 10. April, in den frühen Nachmittags-stunden, wurden unser Dorf und der Flugplatz mit unzähligen Bomben belegt. Sieben Tote gab es im Dorfe. Von alten Briestern fanden den Tod: Wilhelm Krahn , Albert Mohr August Rühle . Die anderen Toten waren Umsiedler und Flak-Soldaten im Orte. Der 2. große Angriff war der Tieffliegerangriff am 20. April 1945.
24 Flugzeuge des Flugplatzes wurden dabei in Brand geschossen. Ein feindliches Flugzeug wurde von unserer Flak abgeschossen. Die Besetzung durch die Rote Armee erfolgte am 2. Mai 1945. Ein Teil der Bewohner erwartete die Russen im Dorfe. Die Männer wurden von den Russen gleich aus dem Orte verwiesen – Richtung Bohnenland. Der Restteil der Bewohner blieb einen Tag länger in Briest, wurde aber dann in Richtung Görden geschickt. Durch die militärische Besetzung des Dorfes sind keine Menschenleben zu beklagen gewesen. Gebäudeschäden gab es aber mehrere; und zwar:
Totalschaden: Die Scheune von Fritz Ponz, Das Wohnhaus von Paul Müller, Die Mühle von Erich Puhlmann
Die Windmühle war das Wahrzeichen von Briest.

Am 6. Mai 1945 wurden alle arbeitsfähigen Briester zu Aufräumungsarbeiten auf dem Flugplatz eingesetzt. Hauptsächlich wurde das Rollfeld wieder in Ordnung gebracht.
Der Briester Flugplatz war noch bis 1956 Übungsplatz für Sowjetflieger. Vom Frühjahr 1956 an wurde er dann von der Volksarmee der DDR genutzt.
Der Briester Einwohner Paul Wetzel wurde am 8. Juni 1945 von der S.M.A.D
zum Bürgermeister von Briest bestellt.Gut I , das den Arado-Flugzeugwerken gehörte, wurde von Angehörigen der Roten Armee bewirtschaftet. Sie übernahmen auch die Herbstbestellung 1945 und die Frühjahrsbestellung 1946. Dann wurden im März 1946 der Wald und der Acker der Bodenreform übergeben. Zur Bodenreform – Kommission gehörten Paul Wetzel, Walter Puhlmann, Alwin Schmeka,, Richard Höhr, Paul Kark und Adolf Lemke. Es wurden 12 Neusiedler Parzellen in einer Größe von 5 bis 10 ha geschaffen, 23 Waldparzellen wurden verteilt und weitere kleine Stücke vergeben. Um die Feldbestellung ordnungsgemäß durchzuführen , wurde die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) am 21. November 1946 gegründet.

1994

Am 28. Mai 1994 feierte die Briester Freiwillige Feuerwehr den 60. Jahrestag ihrer Gründung. Der eigentliche Gründungstag war schon der 4. März. Am 4. März 1934 wurde die Wehr gegründet. Aber, um des besseren Wetters wegen haben die Kameraden der Feuerwehr ihre Gründungsfeier in die spätere Frühjahrszeit verlegt. Am 12. und 13. August 1994 feierte die Gemeinde Briest ihr 700 jähriges bestehen. Es war ein wunderschöner Sommer im Jahr 1994. Aber genau am 12. August begann eine mehrere Tage anhaltende Regenperiode. Trotz Regen und Wind ließen es sich die Briester Bürger und ihre Gäste jedoch nicht nehmen, ihre Jubiläumsfeier zu genießen. An beiden Tagen war der Festplatz gut besucht . Doch, bei schönem Wetter wären bestimmt noch mehr Gäste gekommen. Auch unser Landrat, Herr Dr. Lothar Koch war erschienen, um seine Briester Bürger zu ihrem Jubiläum zu begrüßen. Er betonte, daß er der Gemeinde bei ihrem Kampf um die Eigenständigkeit den Rücken stärken werde. Zuvor wurde vom Ortschronisten Wolfgang Kappe ein Rückblick in die Geschichte des Dorfes Briest gegeben. Nach dem Auftritt des Pritzerber Männerchores, einer Modenschau und einem Fackelzug tanzten jung und alt bis zum anderen Morgen um 4 Uhr zu flotten Discorhythmen. Der Sonnabend begann wieder mit Regen.

1997

Eine langjährige Tradition fand im August mit dem Sommerfest ihre Fortsetzung. Gemeinsam und zur Freude der zahlreichen Gästen und Besucher gestalteten die Freiwillige Feuerwehr Briest, der Briester Anglerverein, die Gemeinde und viele Helfer am schönen Havelstrand ein buntes Programm für jung und alt. Die rund 500 Besucher kamen per Fahrrad, Auto oder mit dem Boot auf dem Wasserweg der Havel. Unter den Teilnehmern sah man auch Ursula Kappe, heute Rentnerin, aber einstmals Mitgestalterin des Sommerfestes als Bürgermeisterin von 1970 bis 1990 in der kleinen Gemeinde.
“Ein schönes Fest.” bemerkte sie und war stolz, daß ihre Söhne aktiv zum Gelingen des bunten Treibens am Havelufer mitwirkten.

1999 – 2000

Vom Dorfausgang in Richtung Plaue, wurde bis hin zur Brake und dem Mühlenweg ein befestigter, gepflasterter Gehweg gebaut. Auch die Friedhofsmauer wurde in diesem Jahr neu errichtet mit Steinen der Firma Bausteine Briest GmbH. Zwei neue Bushaltestellen wurden errichtet.
Weitere Maßnahmen zur Dorfverschönerung sind auch für 2001 geplant. Unter anderem sind schon Straßenlampen mit schönem Design installiert worden. Ab März begannen die Arbeiten zur Verlegung der Elektrokabel unter der Erde.

2001- heute

Im Juni sind diese Verlegearbeiten der Elektrokabel inzwischen beendet. Die Installation eines Stromkastens zur Ausrichtung unseres Sommerfestes beendete die Arbeiten.

Seit 2000 hat Briest eine eigene Volleyballmannschaft mit gesponserten Trikots unserer beiden Fischer Jörg Mehlhase und Reiner Puhlmann. Im Juni 2001 war unsere Mannschaft zu einem Turnier in Pritzerbe eingeladen und belegte einen guten Platz. Am 3. und 4. August feiert Briest wieder sein traditionelles Sommerfest an der Havel.
Im Frühjahr 2002 wurde eine neue Trauerhalle auf dem Friedhof fertiggestellt. Die Sommerfeste 2002 und 2003 waren wiederum Höhepunkte mit immer wieder neuen Überraschungen.

Briest gehört ab 2003 als Gemeinde der neu gegründeten Stadt Havelsee mit den Ortsgemeinden Tieckow, Hohenferchesar, Fohrde, Briest und Pritzerbe an. In diesem Prozeß wird Frau Eveline Koch neue Ortsbeiratsvorsteherin.
Ende 2003 sind die Erschließung und Bepflasterung der Havelstrasse beendet.

Die Eröffnung des neuen Kinderspielplatzes 2004 am Triftweg wurde neben unserem traditionellen wieder toll organisierten Sommerfest ein weiterer Höhepunkt zu 710 Jahre Briest an der Havel. Im November wurden die Arbeiten zur Erschließung und Neu-Beplasterung der Parkstrasse zu Ende geführt.
Im Zuge des Gemeindezusammenschlusses ändert sich für die Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde ab 01.01.2005 wieder einmal die postalische Anschrift zu 14798 Havelsee. Erstmalig feierten wir den Kindertag mit einem Inliner-Wettbewerb, was allen viel Spaß bereitete.
Diesmal schon am 22. und 23. Juni 2005 wurde das Briester Sommerfest gefeiert.
Die nächsten Straßenerneuerungsarbeiten beginnen am 15.8 in der erweiterten Dorfstraße.
Unsere Gemeinde erhält einen tollen 6. Platz bei der Landschleicherparade des Fernsehsenders rbb von allen teilnehmenden Gemeinden im Land Brandenburg. Inzwischen sind Ende Oktober 2005 die Arbeiten zur Erneuerung der erweiterten Dorfstraße abgeschlossen.

Höhepunkt im Jahr 2006 war wieder einmal unser traditionelles Sommerfest mit einem schönen Programm. Im nächsten Jahr müssen wir dann alles selbst finanzieren.

Unser Sommerfest 2007 war auch dieses mal wieder der Jahreshöhepunkt. Im Herbst begannen die Arbeiten am Gemeindehaus. Eine neues Dach mit einer neuen höher stehenden Feuerwehr-Sirene wurde installiert. Weiterhin wurde eine Wärmedämm-Fassade angebracht, um die Energiekosten zu minimieren. Die Silvester-Feier fand diesmal am Eiscaffee-Bistro in der Havelstraße mit mehr als 50 Gästen statt.

2008: Die Gemeinderäume wurden modernisiert, sogar eine kleine Küche mit eingebaut. Kleine Feiern sind jetzt auch möglich. Auch auf dem Friedhof tat sich was, die alte Briester Kirchenglocke wurde erneuert und wieder unmittelbar vor der Trauerhalle aufgebaut.

Die Ortschronik wurde durch unseren Ortschronisten Herrn Wolfgang Kappe erstellt und wird auf Wunsch des Ortsbeirates hier auf der Briester Homepage regelmäßig weiter gepflegt und vervollständigt.

Ein konkreter Nachfolger für Herrn Kappe als Ortschronist wird gesucht.

(Quelle: briest-havel.info)